Elche heute und 7000 v. Chr.

March 30, 2014

Das Wetter reichte heute vom flüchtigen Sonnenschein über Schnee und Wind bis zu hin zu Hagel. Zusammen mit zwei Tschechinnen, die hier im Rahmen von Erasmus ein Semester lang Archäologie studieren, habe ich mich entschieden, dem (Un)Wetter zu trotzen und unternahm einen weiteren Ausflug auf Sommarøy. Vielleicht werden wir diesmal Glück haben und die Wale sehen.

 

Nach einer Stunde Autofahrt erreichten wir die Einbahnbrücke nach Sommerøy und fuhren bei Grün drüber. Angekommen entschieden wir uns, um die Insel zu laufen und Ausschau nach den Walen zu halten. Das Um-Die-Insel-Laufen erwies sich allerdings schnell als schwierig, zumindest bei den heutigen Wetterverhältnissen. Immer wieder sind wir entweder auf Wasser, Schluchten oder Felsen gestossen. Nach einer Stunde und durchgefroren haben wir unsere Suche nach einem begehbaren Pfad aufgegeben. Die Wale sind auch nicht aufgetaucht. Ein anderes mal.

 

Für die Rückfahrt haben wir uns für die östliche Seite von Kvaløya entschieden und fuhren an weidenden Renntieren und kleinen Weilern vorbei, als plötzlich die beiden Frauen ”Felszeichnungen!” riefen. Ich weiss nicht, ob ihr schon mal mit zwei Archäologinnen im Auto unterwegs wart. Aber falls ja, dann wisst ihr, dass die Dinge sehen, die wir nicht sehen. Ich hätte die Kritzeleien an der Felswand neben der Strasse – hätte ich sie überhaupt bemerkt – für Spuren von Kinderbeschäftigung gehalten und wäre daran vorbeigefahren. Nun, es waren Felszeichnungen aus der Steinzeit. Eine Wand direkt neben der Strasse und eine zweite weiter oben hinter einer Gärtnerei.

 

Auf dem dunklen Stein waren Menschen, Elche, Renntiere, Bären und weitere Tiere dargestellt. Ausserdem gab es ein paar geometrische Muster. Zwei Figuren sahen wie Frauen aus. Eine davon hielt so etwas wie einen Tennisschläger in der Hand. Von den Studentinnen wurde ich belehrt, dass es eine Trommel ist. Tatsächlich habe ich auch später nachlesen können, dass es entweder zwei Tänzerinnen mit einer Trommel sind oder ein Schamane, dessen Geist sich verselbständigt hat.

 

Die Zeichnungen waren im leuchtenden Rot, was auf die Zeit ihrer Entdeckung (1952) zurückgeht. Damals wurden solche Zeichnungen für bessere Sichtbarkeit rot nachgezeichnet. Heute wird das nicht mehr gemacht. So oder so teilte ich die Faszination der beiden jungen Frauen für diese frühen Spuren der Besiedlung hier. Ähnliche Zeichnungen gibt es im ganzen Norden und sie zeugen von einer extremen Widerstandsfähigkeit des Steinzeitmenschen und einem lebhaften kulturellen Austausch.

 

Zur Krönung des Tages sahen wir fünf Minuten später noch zwei echte Elche. Obwohl sie scheu waren und sich nur aus der Ferne beobachten liessen, konnte man einen Eindruck von ihrer beachtlichen Grösse bekommen.

 

Und ja – das Ziel des nächsten Ausfluges ist schon klar. Denn eine Autostunde südlich von Tromsø soll es weitere Felszeichnungen geben. :)

 

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