Gratulerer med dagen!

May 17, 2014

Was heute für einen Tag ist, muss man keinem Norwegen erklären. Es ist der norwegische Nationalfeiertag! Nach einem verlorenen Krieg musste Dänemark im sogenannten Kieler Frieden am 14. Januar 1814 Norwegen an Schweden abtreten. Schweden verpflichtete sich, die geltenden Rechte in Norwegen zu respektieren. Damit überging die Staatsgewalt an das norwegische Volk. So kamen 21 wichtigste Männer Norwegens auf die Einladung vom dänischen Statthalter Kronprinzen Christian Frederik zusammen und verlangten eine liberale Verfassung und eine konstitutionelle Monarchie. Christian Frederik (der eigentlich absolutistischer Monarch Norwegens werden wollte) musste sich dem beugen.

 

Am 11. April 1814 wurde die verfassungsgebende Versammlung eröffnet und in erstaunlich kurzer Zeit von 36 Tagen wurde die Verfassung verabschiedet (Nordnorwegen war aus Zeitmangel nicht in der Reichsversammlung vertreten). Nicht nur war diese Verfassung die modernste des damaligen Europas (mit Grundprinzipien der Volkssouveränität, der Gewaltenteilung und der Freiheit des Individuums wie auch der Meinungsfreiheit), sondern sie gilt in ihrer Form bis heute! Angesichts so einer wichtigen Verfassung ist die Tatsache, dass Norwegen seine Unabhängigkeit (von Schweden) erst fast hundert Jahre später erlangte, eigentlich eine Kleinigkeit. Die geschichtlichen Hintergründe sind sowieso nicht jedem bekannt und offensichtlich auch nicht so wichtig. Es soll einfach Norwegen gefeiert werden! Und was an dieser Feier besonders sympathisch ist: es ist vor allem ein Feiertag für und von Kindern. Keine Militärparaden, nur wenige langweilige Reden. Der Tag soll bunt und laut und fröhlich sein! Und vielleicht auch dadurch ist er in Norwegen sehr beliebt.

 

In jeder Stadt, wie klein auch immer sie sein mag, gibt es Umzüge und viele Zuschauer. Zuerst kommen die Kleinen zum Zug, jede Schule und jede Klasse, sogar die Kindergartenkinder sind vertreten und schwenken fröhlich ihre kleinen Flaggen in der Luft. Später gehört die Strasse den „russ“, den Maturanden, die mit alten bemalten Wagen, lauter Musik und roten oder schwarzen Kostümen durch die Stadt marschieren. Sie machen einen etwas müden Eindruck. Kein Wunder, haben sie doch schon die gesamten letzten drei Wochen kräftig gefeiert! (Lustigerweise vor, nicht nach den Abschlussprüfungen.) Und zum Schluss kommen noch die Vereine. Von „Hunde retten Leben“, über Sportvereine, bis zu Automobilclubs: alle scheinen hier zu sein. Cheerleaders, musizierende Krankenschwester, lateinamerikanische Tanzgruppen, Pferdeclubs samt Pferden, Motorcrossclubs samt Motorrädern, alle marschieren, tanzen, turnen und singen sie durch die Strasse. Und immer wieder wird „Hurra“ und nochmals „Hurra“ gerufen. Natürlich darf auch der Bürgermeister nicht fehlen, der sich am meisten zu freuen scheint und am lautesten sein „Hurra“ in die Menge ruft. Irgendwie muss man ihn dafür mögen.

 

Und solltet ihr mal an einem 17. Mai in Norwegen sein, dann kommt in euren besten Kleidern. Denn mit Wanderhose und Skijacke wie ich werdet ihr peinlich „underdressed“ sein! Jeder kommt ausgeputzt, Männer in Anzügen mit Krawatten, Frauen in Kleidern. Dem kalten, windigen und regnerischen Wetter trotzend. Und wer eine hat, kommt in seiner Tracht („bunad“), um damit stolz seine Herkunftsregion zu präsentieren. Daher ist die Menge bunt und sehr schön anzusehen. Und das Beste daran: die Bunad-Tradition ist auch bei der Jungend sehr beliebt. Es scheint einfach, dass das norwegische Volk prächtig gedeiht. Daher: gratulerer med dagen! :)

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